###

Abb. 1: Verbreitung der schwäbischen Feinware (Gross 1991, Abb. 29)

###

Abb. 2: Schwäbischen Feinware (Gross 1991, Taf. 143)

###

Abb. 3: Miniaturgefäße (Gross u. a. 1992, 332)

###

Abb. 4: Kanne (Gross u. a. 1992, 331)

Rotbemalte Schwäbische Feinware

1. Vorbemerkungen

Die Rotbemalte Feinware (Synonyme: "Buocher Ware", Schwäbische Feinware) ist neben der Pingsdorf-Keramik (9.-12. Jh., Importware), der rotbemalten Rollstempelkeramik Badorfer Art (8/9.- 12. Jh., Importware), sowie der rotbemalten Elsässer Ware (11./12. Jh.) und der bemalten gelben Drehscheibenware (11./12. Jh., bekannter Töpferei-Standorte: Wiesloch, Wülfingen) eine weitere Keramik-Warenart, die durch ihre äußeren Merkmale der Scherbenbeschaffenheit und der rotfarbigen Bemalung eine eigenständige Warengruppe in Südwestdeutschland bildet. Sie datiert in den Zeitraum zwischen dem späten 12. und 14. Jh. Interessant bei dieser Warenart ist der konkrete Nachweis des Herstellungsortes mit Hilfe archäologisch fassbarer Überreste einer Abfallhalde. Sie wurde 1980 und in den 1990er Jahren durch das Landesdenkmalamt in Remshalden-Buoch, Rems-Murr-Kreis, entdeckt und ließ sich durch zahlreiche Fehlbrände nachweisen. Daneben sind weitere Produktionsorte denkbar; mineralogische Untersuchungen in Sindelfingen geben Indizien für diese Vermutung. Als weitere mögliche Töpferei-Standorte zu nennen sind Kirchheim/Teck und Heidenheim/Brenz.

2. Warenart

Die Scherben sind fein geschlämmt und haben eine helle, weißlich-gelbe bis beige Farbe. Die Bruchstruktur ist glatt bis leicht schiefrig. Die Magerung besteht aus feinen Quarzpartikeln und rotbraunen Partikeln in mäßiger Dichte. Die Oberfläche fühlt sich manchmal "seifig" oder leicht kreidig an und hat einen matten Ton.

Herstellungstechnisch: scheibengedreht auf der schnelldrehende Töpferscheibe. Brand: oxidierend hart gebrannt.

Die Bemalung erfolgt mit rotfarbigem Tonschlicker. Die Verzierung lässt eine Entwicklung von einfachen senkrecht verlaufenden Linien (12. Jh.) zum typischen Gitterdekor der "klassischen Buocher Ware", ferner eher klecksartige Verzierungen hin zu einfachen horizontalen Linien im Hals- und Schulterbereich beobachten; schließlich erfolgt die Überleitung zu glasierten Warengruppen (15. Jh.).

3. Gefäßformen

In der überwiegenden Masse der überlieferten Keramikfunde lassen sich Kannen, Krüge und Flaschen feststellen, einschließlich zahlreicher Variationen und Miniaturausführungen. Ferner Tischgeschirr: Dreifußpfännchen, Näpfe, Becher, Töpfe mit/ohne Deckel, z. T. mit Rollstempeldekor. Ein weiterer Hinweis auf gehobene Tischkeramik-Kultur sind die Handwassergefäße (Aquamanilien). Sonderformen wie Leuchter, Tischglöckchen, Signalhörner, Miniaturgefäße, ferner: Ofenkeramik (Becherkacheln).

4. Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet liegt mit Ausnahmen in den Grenzen des damaligen Württembergs; Schwerpunkte sind Fundplätze im mittleren Neckargebiet, hier ist vor allem Esslingen und Marbach am Neckar. Im Norden: Jagst und Kocher, Osten: Nördlingen/Ries, Westen: Speyer. überwiegend auf Burgen, in Kirchen und Klöster, weniger oft in städtischem Siedlungszusammenhang; dabei muss natürlich die forschungsgeschichtliche Situation berücksichtigt werden.

5. Literatur

Literatur: Arnold/Gross 2006, Gross 1991, Gross u. a. 1992, Gross 1996, Gross 2007, Gross 2008, Laskowski 1992, Lobbedey 1968, Lobbedey 1995, Schäfer/Gross 1981, Schneider 1989, Schreg 1998.