Rheinische Töpferzentren, Reineking 1986, 49.

Abb. 1 Rheinische Töpferzentren (Reineking 1986, S. 49)

Liegender Ofen für salzglasiertes Steinzeug, Reineking 1986, 39.

Abb. 2 Liegender Ofen für salzglasiertes Steinzeug (Reineking 1986, S. 39)

Grundformen für Steinzeug 13.-15.Jh., Reineking 1986, 92

Abb. 3 Grundformen für Steinzeug 13.-15.Jh. (Reineking 1986, S. 92)

Grundformen für Steinzeug 16.-18.Jh., Reineking 1986, 93.

Abb. 4 Grundformen für Steinzeug 16.-18.Jh. (Reineking 1986, S. 93)

Steinzeug

Verbreitung

Steinzeugzentren liegen immer in der Nähe geeigneter Tonvorkommen, die sich von Mittelengland über Nordfrankreich, die Niederlande, Belgien, Schlesien und Mähren erstrecken. In Deutschland entstanden Steinzeugzentren im Rheinland, im Westerwald, Hessen, Thüringen, Nordbayern und Sachsen.

Chronologie und Magerung

Seit dem 13. Jahrhundert ist Frühsteinzeug als Übergang zwischen Irdenware und Steinzeug nachweisbar. Das Frühsteinzeug wurde bereits hoch gebrannt, jedoch fehlten charakteristische Eigenschaften des gesinterten Steinzeugs. So ist Frühsteinzeug nicht gleichmäßig durchbacken und weist häufig verschiedene Farbtöne und Strukturen im Bruch auf. Eine Verglasung der Scherben liegt nicht vor, die Kanten der Stoßstellen sind nicht muschelig, beigemengte Sandzusätze sind noch nicht zu einer Masse verschmolzen. Durch das reduzierende Brennverfahren weisen die Gefäße häufig eine schwarze Oberfläche auf. Seit dem 15. Jahrhundert tritt gesintertes Steinzeug auf. Vollständig versintertes Steinzeug weist eine glatte Oberflächenstruktur und keine sichtbaren Magerungspartikel auf.

Herstellung und Brand

Der Abbau erfolgte meist in so genannten „Tonkaulen“ im Tagebau, im Schachtbau oder in Glockenschächten. Für den Brand von Steinzeug wurden rechteckige, liegende Öfen eingesetzt, die 12 m lang, 3 m breit und durchschnittlich 2 m hoch waren. Wichtig war ein Gefälle von etwa 12 %, damit die Flammen besser von unten nach oben durch den gesamten Ofenraum schlagen konnten. Die Ware wurde an der der Feuerung gegenüber liegenden Seite eingesetzt und die Einstiegsöffnung zugemauert. Im Inneren des Ofens konnten hunderte Gefäße Platz sparend gestapelt werden. Ab dem 16. Jahrhundert wurden zusätzlich kleine sandbestreute Tonplättchen, so genannte Brandhilfen, zwischen die Gefäße gesetzt, um zu verhindern, dass die Gefäße beim Brand zusammen gebacken wurden. Bis zum Salzen der Gefäße musste der Ofen mindestens drei Tage und Nächte brennen und im Anschluss drei Tage auskühlen. Durch Flussmittel, wie z. B. Quarzsand, wurde der Schmelzpunkt des Tons erhöht und das Schrumpfen des Tons beim Trocknen und Brennen verringert. Die Festigkeit des Steinzeugs hängt von der beim Brand erreichten Temperatur ab. Um zu versintern, muss die Temperatur über 1200 °C liegen, jedoch unter dem Schmelzpunkt von 1500°C bleiben. Durch das Sintern wird Steinzeug wasserundurchlässig und so hart, dass es mit Stahl nicht geritzt werden kann und eine hohe Bruchfestigkeit aufweist. Demzufolge wurde Steinzeug meist als Ess- oder Vorratsgeschirr genutzt.

Glasur

Da Steinzeug nur einmal gebrannt wird, muss die Glasur vor oder während des Brennvorgangs angebracht werden. Bei der Lehmglasur oder Engobe wird das Steinzeug vor dem Brennen in einen Tonbrei getaucht oder damit begossen. Durch das Brennen kann sie dann verschiedene Farben annehmen. Bei der Salzglasur bildet sich durch die Feuerung reinen Kochsalzes eine glänzende Oberfläche. Teilweise wurde das Kochsalz durch Luken im Ofengewölbe in den Warenraum des Ofens geschaufelt. Beim reduzierenden Brand wurde die Sauerstoffzufuhr gezielt nach dem Schließen der Luken des Ofengewölbes gestoppt. Unter milder Reduktion der Salzdämpfe bildet sich eine graue Salzglasur auf den Gefäßen. Beim oxidierenden Brand entsteht unter Sauerstoffzufuhr eine braune Salzglasur. Das Salzen geschieht zum Zeitpunkt der höchsten Brenntemperatur zwischen 1100 ° C und 1300 ° C, die Menge der Salzbeigabe schwankt dabei je nach Region zwischen 300-800 Pfund pro Ofen.

Dekor und Gefäßformen

Seit dem 15. Jahrhundert lieferten graphische Blätter Anregungen für die Reliefausstattung des Steinzeugs. Aus einem Negativ aus Stein oder Ton, der Urmatrize, wurden Positive, Patrizen, hergestellt, die gebrannt werden mussten, um sie haltbar zu machen. Die Patrizen dienten zur Verbreitung und Vervielfältigung der Urmatrize. Sie wurden aus nicht gesintertem Ton hergestellt, damit sie dem Ton, in den sie eingedrückt wurden, Feuchtigkeit entziehen konnten. Dadurch konnten sie beim Dekorieren leicht von den Reliefauflagen gelöst werden, ohne diese zu beschädigen. Die gefertigten Reliefauflagen wurden mit Tonschlicker an der Wandung der Gefäße befestigt. Dabei durften sich zwischen Auflage und Gefäß keine Luftblasen bildeten, die zum Ablösen des Reliefs während des Brennvorgangs geführt hätten.Zur Verzierung des Steinzeugs wurden die Gefäße geriefelt, d.h. dass Grate, Wellen und Wülste modelliert werden oder geritzt. Es treten Auflagen in Form von Medaillons, durchbrochene Wandungen mit eingeschnittenen Rosetten, Blüten und ausgestanzten Löchern, aufgelegte Stege und Bögen auf. Seit dem späten 16. Jahrhundert wird Kobaltdekor zur Verzierung von Steinzeug verwendet. Dabei wird ein Tonbrei aus Kobalt, Mangan und eisenhaltigem Ton mit einem Pinsel aufgetragen oder während des Brennvorgangs in Pulverform auf die Gefäße geworfen. Das breite Formenspektrum umfasst vor allem verschiedene Formen von Krügen, Bechern, Kannen und Flaschen sowie zahlreiche regionale Sonderformen.