Formenspektrum

Formenspektrum der Jüngeren Drehscheibenware (Schreg 1998, Abb. 243, S.233)

Jüngere Drehscheibenware

Der Begriff steht für die Gesamtheit der, auf der schnelldrehenden Töpferscheibe gedrehten, Keramik, welche während des 13. Jh. die nachgedrehte Keramik ablöst. (Gross 1991) Bei der jüngeren Drehscheibenware unterscheidet man zwischen oxidierend und reduzierend gebrannter Ware. Zudem sind auch die Begriffe gelb- b.z.w. grautonige Ware recht gebräuchlich. Der reduzierend gebrannte Scherben zeichnet sich durch eine grauschwarze Färbung aus, der oxidierend gebrannte Scherben hingegen durch eine Farbvarianz, die vom hellgelben, fast weißlichen bis ins dunkelrote reicht. Allgemein zeichnet sich die jüngere Drehscheibenware durch eine raue Oberflächenstruktur aus, die bisweilen auf der Drehscheibe geglättet wurde. Diese Glättung tritt je nach Region und Zeit in unterschiedlichem Maße auf. Die Magerung besteht hauptsächlich aus Quarz, Glimmer und organischen Zusätzen. Die Größe der Magerungsanteile variiert hierbei stark. Dekor findet sich selten. In den Fällen, in denen Dekor vorhanden ist, findet es sich meist auf dem Schulterabsatz, dominierend sind hierbei Rollstempel, Horizontalriefen und Wellenlinien.

Die jüngere Drehscheibenware deckt das gesamte spätmittelalterliche Formenspektrum (Abb. 1) ab. Der Karnisrand, welcher typisch für diese spätmittelalterliche Keramik ist, breitet sich von Bayern nach Südwestdeutschland aus, wo er erst im 15. Jh. regelmäßig vorhanden. In einigen Regionen spielt der Leistenrand jedoch weiterhin bis ins 15. Jh. eine erhebliche Rolle. Ältere Literatur spricht zuweilen auch von romanischer Keramik (Leistenrand) und gotischer (Karniesrand). Grob betrachtet, lässt sich die oxidierend gebrannte Ware chronologische nach der reduzierend gebrannten ansetzen. Hierbei ist der Übergang jedoch fließend und regional sehr unterschiedlich. Als Quellengrundlage gelten zahlreiche Stadtkerngrabungen in Baden-Württemberg, die die einzelnen Stücke jedoch in lokal begrenzte Chronologiesysteme einfügen, was den Blick für den einheitlichen, überregionalen Zusammenhang erschwert.