Glossar

AmphoreUnter diesem aus der Antike stammenden Begriff versteht man im Bezug auf die Antike ein zweihenkeliges, bauchiges Gefäß mit engem Hals. Die Amphore war in der Antike einer der wichtigsten Transport- und Vorratsbehälter, aber auch eine wichtige Form der (griechischen) antiken Kunst. Der Begriff wird aber auch für Formen mittelalterlicher Keramik verwendet. Dann bezeichnet er Gefäße, die im Grunde Kannen entsprechen, aber einen Standring oder Wellenfuß haben. Diese Gefäße können anders als die Antiken Amphoren auch mehr als zwei Henkel haben. DNP s.v. Amphora; Gross 1991,24; Sanke 2002,70f.Amphorae

Antike (1) und mittelalterliche(2) Amphore. - Jürgens/Reineking v. Bock 1985, Taf. 34.

BecherKonische, bauchige oder zylindrische Form ohne Henkel und Hals. Meistens mit ausgearbeitetem Rand, der Verwendung als Trinkgefäß entsprechend. Zwecks besserer Standfestigkeit oft mit betonter Fußzone oder ausgeprägtem Fuß. Es kommen aber auch Becher ohne vom Gefäßkörper abgesetzten Fuß vor. Eine Abgrenzung zum Topf erfolgt auch durch kleines Volumen. Bauer u.a. 1986,34; Gross 1991, 24; Schreg 1998, 31.Becher

Salier 1992, 25.

Becherkachel Hohe, schlanke Form der Ofenkachel mit fast vertikalen oder konischem Wandverlauf, runder Mündung und Standboden. Die Randpartie ist kaum oder nicht gegliedert, im Gegensatz zu Bechern. Hallenkamp-Lumpe 2006, 12-14.Becherkachel

Lutz 1973, 33.

DeckelIm Grunde kann eine Form "Deckel" nicht mit den im Übrigen verwendeten Begriffen definiert werden. Eine Zuordnung erfolgt beim Deckel allein über die vermutete Funktion: das Verschließen eines Gefäßes. Deckel können die Gefäßmündung umschließen oder in die Gefäßmündung gesteckt oder gelegt werden. Sie kommen in scheibenartiger, aber auch in konischer oder leicht gewölbter Form vor. Die überwiegende Mehrheit hat eine Handhabe und eine runde Form, da sie zu Töpfen, Kannen, Krügen oder Schüsseln passen müssen. Baueru. a. 1986, 32; Gross 1991, 24.Deckel

Bauer u. a. 1986, 33.

DreifußpfanneFlache Form, ähnlich einer Schale/ Schüssel, mit Handhabe und zapfenartigen Standfüßen und einem planen Boden. Dreifußpfannen kamen im hohen Mittelalter als Küchengerät zum Braten oder Kochen von Speisen auf. Gross 1991, 22-24; Conrad 2006, 162.Zwei Dreifusspfannen und ein Bräter

Kruse 1990, A 67.

Engobe Homogene Mischung aus feinem Ton, Wasser und evtl. weiteren Mineralien, mit der keramische Gegenstände beschichtet werden. Engoben können nachträglich eingefärbt werden. Sie geben der Keramik eine glatte Oberfläche und eine einheitliche Färbung. Die Engobe wird vor dem Brennen entweder mit einer Kelle oder durch Eintauchen des Gegenstandes flächig aufgetragen (Grundengobe), oder mit einem Pinsel oder Schwämmchen punktuell(Malengobe). Boschettie-Maradi 2006, 24.
FlascheEngmundiges, hohes Gefäß Gefäß mit Hals zum Aufbewahren, Ausschenken und Trinken von Flüssigkeiten. Die Abgrenzung zu Kanne und Krug erfolgt über die enge Mündung, bei ansonsten gleichen Formen (bauchige, zylindrische, konische Wand). Es gibt Flaschen ohne Standboden ("Feldflaschen"), Flaschen können Henkel haben, in seltenen Fällen auch einen Ausguss. Bauer gibt das Verhältnis Höhe/ Durchmesser mit 3-4:1 an. Bauer u.a. 1986, 29; Gross 1991, 22.Flaschen

Jürgens/ Reineking von Bock, Taf. 4.

FlussmittelSubstanzen, die bei Schmelzprozessen eingesetzt werden, um die Schmelztemperatur eines Gemisches herabzusetzen. Bei der Herstellung von Glasuren werden als Flussmittel basische Oxide eingesetzt, die mit dem Glasbildner Siliciumdioxid reagieren. Hamer 1990, 126.
FormholzEine hölzerne "Schablone" zur Normierung der Gefäße und/oder der Randform. Kann auch in der entsprechenden Ausführung für Rillenverzierungen genutzt werden. Lobbedey 1968, 91f; Bauer u. a. 1986, 174.
FragmentUnter "Fragment" wird angegeben, welcher Teil des ehemaligen ganzen Gefäßes vorliegt. "Randstücke" sind Fragmente mit einem Teil des ursprünglichen Randes, ""Bodenstücke" mit einem Teil des Bodens. Scherben, die beides nicht aufweisen, werden als "Wandstücke" bezeichnet.
GlasurDünner, oft farbiger Überzug, der auf Keramik aufgeschmolzen wird. Die Glasur entsteht durch einen Brennvorgang aus einem auf die Keramik aufgetragenen Pulver aus glasbildenden Materialien, farbgebenden Rohstoffen und ggf. Flussmitteln. Beim Abkühlen wird sie hart und größtenteils unlöslich und ähnelt in ihrer physikalischen und chemischen Beschaffenheit Glas. Glasuren machen die sonst poröse Keramik wasserundurchlässig, werden aber auch nur als Verzierung verwendet. Die wichtigsten Glasurarten sind die Bleiglasur (Glasur, der als Flussmittel Blei beigemischt wird) und die Fayenceglasur (Bleiglasur mit 10% Zinnanteil). Boschettie-Maradi 2006, 25ff.Hamer 1990, 150.
GrapenBauchiges Gefäß mit zwei Henkeln und zapfenartigen Standfüßen. Es kam im hohen Mittelalter als Küchengerät zum Kochen von Speisen auf. Von den Standfüßen abgesehen entspricht diese Form anderen bauchigen Töpfen. Grapen wurden oft auch aus Metall gefertigt.Gross 1991, 22-24; Conrad 2006, 162.Grapen

Kruse 1990, A65

HenkeltopfDer Topf ist als Allzweckgefäß die Hauptform der mittelalterlichen Gefäßkeramik, auch wenn im Laufe des Mittelalters das Keramikinventar zunimmt. Primär wurden Töpfe zur Vorratshaltung und zum Kochen verwendet. Bauer u. a. 1986 geben das Verhältnis Höhe/ Durchmesser bei Töpfen mit 0,5 - 2:1 an. Bei der Gefäßkontur kommen alle möglichen Varianten vor, konisch, bauchig, zylindrisch, bikonkav. D.h. eine Abgrenzung erfolgt v.a. negativ, da von der Gefäßkontur und/ oder den Vverhältnissen her Krüge, Kannen, Grapen, und Becher zeitgleichen Töpfen völlig entsprechen können. Henkeltöpfe sind Töpfe mit einem oder mehreren Henkeln. Überschneidungen gibt es vor allem mit den Krugformen, auch mit den Amphoren. Bauer u. a. 1986, 28.Henkeltopf

Jahn 2004, 98.

Kanne Gefäß zum Aufbewahren, Transport und Ausschenken von Flüssigkeiten. Die Gefäßkontur von Kannen kann der zeitgleicher Töpfe völlig entsprechen. Kannen haben aber mindestens einen Henkel und eine Ausgusstülle, d.h. je eine Öffnung zum Füllen und Entleeren. Meistens ist die Halszone mehr oder minder abgesetzt (im Ggs. zum Topf). Bauer u. a. geben das Verhältnis Höhe/ Durmesser mit 1, 5 - 4:1 an. Ist mehr als ein Henkel vorhanden, gibt es Überschneidungen mit den Amphoren. Bauer u.a. 1986, 28; Gross 1991, 22; Schreg 1998, 31.Kanne

Planck 1994, 274.

KrugGefäß zum Aufbewahren, Transport und Ausschenken von Flüssigkeiten. Die Gefäßkontur von Krügen kann der zeitgleicher Töpfe völlig entsprechen. Krüge haben aber einen Henkel und - als Abgrenzung zu den Kannen - nur eine Öffnung zum Füllen und Entleeren. Meistens ist die Halszone mehr oder minder abgesetzt (im Ggs. zum Topf). Bauer gibt das Verhältnis Höhe/ Durmesser mit 1, 5 - 4:1 an. Eine Ausgussvorrichtung in Form einer "Schnauze" kann vorhanden sein und grenzt dann auf jeden Fall den Krug vom Topf ab. Ist ein Ausguss nicht vorhanden, ist die Abgrenzung zu Henkeltopf schwierig. Bauer u. a. 1986, 20; Gross 1991, 22; Schreg 1998, 31.Krug

Planck 1994, 274.

KugeltopfDer Topf ist als Allzweckgefäß die Hauptform der mittelalterlichen Gefäßkeramik, auch wenn im Laufe des Mittelalters das Keramikinventar zunimmt. Primär wurden Töpfe zur Vorratshaltung und zum Kochen verwendet. Kugeltöpfe sind Töpfe mit rundem Boden. Sie haben eine bauchige Gefäßkontur und können v.a. mit Topfkacheln und auch mit Bechern verwechselt werden. Gross 1991, 22. Kugeltopf

Lobbedey 1968, 13/ 6. Vgl. S. 19f.

LämpchenLämpchen sind flache Schalen mit kleinem Durchmesser und herausgedrückter Dochtauflage. Gross 1991, 24.Laempchen

Panne/ Twachtmann 1998, 57.

MagerungTon verformt sich unter Hitzeeinwirkung und "schrumpft" zusammen. Um zu verhindern, dass ein Keramikgegenstand beim Brennen reißt oder springt, werden ihm unplastische Partikel beigemischt, die die Spannungen ausgleichen und auch den Schwund reduzieren. Zur Magerung kann praktisch jedes feste Material verwendet werden, am häufigsten wird Sand zugesetzt. Aber auch gemahlene Keramik kann verwendet werden, oder z.B. Kalk- oder Feldspat, Glimmer und sonstiges feines Gesteinsmaterial. Auch organische Magerungen, z.B. Stroh, können vorkommen. Schreg 1998, 40f.
MiniaturgefäßManchmal werden, v.a. aus dem späten Mittelalter, Miniaturen von Gefäßkeramik gefunden. Solche Miniaturen wurden z.T. wohl als Spielzeug gefertigt (Puppengeschirr), es können aber natürlich auch sehr kleine Gefäße als Ess- oder Trinkgeschirr verwendet werden, wie z.B. heutzutage Schnapsgläser. Bauer u. a. 1986, 36.
Napfkachel Hohe Form der Ofenkachel mit steil-schrägem Wandverlauf und gerundetem Boden. Die Mündung ist - als Abgrenzungsmerkmal zur Rechteckkachel - rund. Hallenkamp-Lumpe 2006, 12-14.Napfkachel

Heege 2002, 215.

OfenkachelOfenkacheln wurden in die Lehmwandungen von Kuppelöfen eingesetzt, um die Oberfläche der Öfen zu vergrößern und den Effekt zu nutzen, dass die dünnwandige Keramik die Wärme schneller abgibt als eine dicke Lehmwandung. So wurde der Wirkungsgrad der Öfen verbessert. Die ältesten Ofenkacheln stammen aus einer Zeit kurz vor 1100. Die frühen Kachelformen wurden aus den Formen der Gebrauchskeramik abgeleitet und gleichen diesen daher stark.Hallenkamp-Lumpe 2006. Lehnberg 2006, 81f.
Oxidierender BrandMittelalterliche Keramik wird entweder "oxidierend" oder "reduzierend" gebrannt. Oxidation ist die Verbindung von Sauerstoff mit einem anderen Element. Wird beim Brennvorgang Luft zugeführt, herrscht im Ofen eine oxidierende Atmosphäre, das im Ton enthaltene Eisen oxidiert, es bildet sich das Eisenoxid Hämatit. Die Keramik erhält dadurch eine rötliche Farbe. Hamer 1990, 248.
RechteckkachelHohe Form der Ofenkachel mit steil-schrägem Wandverlauf und gerundetem Boden. Die Mündung ist - als Abgrenzungsmerkmal zur Napfkachel - zu einem Rechteck gezogen. Hallenkamp-Lumpe 2006, 12-14.Zwei Rechteckkacheln und eine Dreieckskachel

Planck 1994, 278.

Reduzierender BrandMittelalterliche Keramik wird entweder "reduzierend" oder "oxidierend" gebrannt. Eine Reduktion ist die Entziehung von Sauerstoff aus einer chemischen Verbindung. Wird beim Brennvorgang die Luftzufuhr zum Brennofen gedrosselt, herrscht in ihm Sauerstoffmangel, und den im Ton enthaltenen Eisenoxiden wird Sauerstoff entzogen. Es entsteht Magnetit, das die Keramik gräulich bis schwärzliche färbt. Hamer 1990, 273f.
Schale/ Schüssel Die Unterscheidung der offenen, flachen Gefäßformen in Schale/ Schüssel ist problematisch und die Übergänge fließend. Deshalb werden sie hier - wie auch einheitlich in der zitierten Literatur - nicht unterschieden. Schalen/ Schüsseln sind normalerweise rund, die Höhe ist kleiner als der Durchmesser. Oft sind die Gefäße deutlich in Fuß, Wand und Rand gegliedert. Primär wurden Schalen und Schüsseln zur Speisenzubereitung und als Tafelgeschirr verwendet. Die Abgrenzung zu Töpfen kann schwierig sein. Bauer u. a. 1986, 29f. ; Gross 1991 22; Schreg 1998, 31.Schuesseln

Jürgens/ Reineking von Bock, Taf. 28; 29.

Scheibengedreht Im Gegensatz zu von Hand gemachten Keramikgefäße (die aus aufeinander gelegten Tonswulsten oder Platten aufgebaut werden) wird hochwertigere Keramik auf einer sich drehenden Töpferscheibe aus einem Tonklumpen hochgezogen.Schreg 1998, 43.
SiebgefäßeGefße mit gelochter Wand/ gelochtem Boden, die ansonsten anderen Formen, etwa Schalen/schüsseln oder Töpfen entsprechen.
SintergradAb Temperaturen von etwa 1000C beginnen die mineralischen Bestandteile von Ton zu verglasen, der Ton versintert. Dadurch wird die ansonsten poröse Keramik wasserundurchlässig und härter. Mittelalterliche Keramik wurde aber meist mit Temperaturen von höchstens 900C gebrannt, weil mit den mittelalterlichen Öfen keine höheren Temperaturen erzeugt werden konnten. Höhere Temperaturen wurden erst im späten Mittelalter erreicht. Je nach Brenndauer und -temperatur versintert die Keramik mehr oder weniger stark, sie weist also unterschiedliche Sintergrade auf. Schreg 1998, 11.
SonderformAls Sonderform haben wir Stücke bezeichnet, die sich den anderen Formen nicht zuordnen lassen, die man aber benennen kann, meist anhand ihrer Funktion. Bisher enthält die Übungssammlung eine "Sonderform", nämlich ein Signalhorn.
TellerDie Unterscheidung der offenen flachen, Gefäßformen ist sehr schwer und die Übergänge zwischen Tellern und flachen Schalen/ Schüsseln fließend. Die Teller sind flacher und tendenziell stärker gegliedert, der Rand ist breit und deutlich von der Wandung abgesetzt. Bauer u. a. geben das Verhältnis Höhe: Durchmesser mit 1/15 - 1/5:1 an. Teller im heutigen Sinn als sehr flache Formen treten erst in nachmittelalterlicher Zeit auf, die mittelalterlichen Tellerformen sind tiefer. Teller

Schreg 1998, 33.

TopfDer Topf ist als Allzweckgefäß die Hauptform der mittelalterlichen Gefäßkeramik, auch wenn im Laufe des Mittelalters das Keramikinventar zunimmt. Primär wurden Töpfe zur Vorratshaltung und zum Kochen verwendet. Bauer u.a. geben das Proportionsverhältnis Höhe: Durchmesser bei Töpfen mit 0,5 - 2:1 an. Bei der Gefäßkontur kommen alle möglichen Varianten vor, konisch, bauchig, zylindrisch, bikonkav. D.h. eine Abgrenzung erfolgt v.a. negativ, da von der Gefäßkontur und/ oder den Proportionsverhältnissen her Krüge, Kannen, Grapen und Becher zeitgleichen Töpfen völlig entsprechen können. Damit sind natürlich auch Überschneidungen nicht ausgeschlossen. Bauer u.a. 1986,28;Gross 1991, 22; Schreg 1998, 31; Conrad 2006, 162.Topf

Gross 1992, 342.

TopfkachelHohe, schlanke Form der Ofenkachel, bauchig, mit runder Mündung und rundem Boden. Die Gefäßkontur und die gleichen Proportionen Kugeltöpfen. Hallenkamp-Lumpe 2006, 12-14.Topfkachel

Hallenkamp-Lumpe 2006, Taf. 3.

Unbestimmte FormFormen die wir nicht einer Form zuordnen konnten, sind mit "unbestimmter Form" bezeichnet.